Einmal alles anders, bitte. Teamführung in Zeiten der Krise.

Aktualisiert: 9. Juni 2020

Alles ist plötzlich neu und gefühlt bleibt kein Stein auf dem anderen. Was kann man für sich und sein Team aus der aktuellen Krisensituation mitnehmen? Ein kleiner Denkanstoß.

Kann mein Team in der derzeitigen Ausnahmesituation vielleicht wachsen und sich sogar positiv weiterentwickeln? Das ist vielleicht im ersten Moment nicht die drängende Frage. Wenn aber die technischen Details rund um Homeoffice und mögliche Kurzarbeit gelöst sind, ist es vielleicht die lohnendste Frage die man sich hinsichtlich seiner Mitarbeiter*innen und Teammitglieder stellen kann.


Für viele Arbeitnehmer*innen ist die derzeitige Situation eine komplette Veränderung des gewohnten Lebens. Wirtschaftliche Sorgen, Sorgen um Gesundheit und das Wohl seiner Angehörigen, Kinderbetreuung und das Begleiten der Kinder - für die auch alles neu und anders ist - und mitten drinnen soll man in seinem Job Leistung bringen und produktiv daran mitwirken trotz Krise sein Unternehmen weiterzubringen.

Als Führungskraft steht man natürlich vor ganz besonderen Herausforderungen. Läuft einmal die Technik und hat man sich an Video-Meetings und Chatfunktion statt Tür-und-Angel-Gespräch gewöhnt, bleiben dennoch viele andere Themen die es zu beachten gilt und die für das Teamgefüge jetzt wichtig sein können.


 

Wie kann man als Team einen idealen Workflow erreichen und sich auch in der räumlichen Distanz nah bleiben? Braucht es regelmäßige online-Anwesenheiten oder auch informelle gemeinsame Zeit? Ein Teamfrühstück kann auch am Laptop ein wichtiger Ankerpunkt sein um niederschwellig Ideen oder Visionen auszutauschen und dadurch agil und dynamisch Entscheidungen zu treffen.

Außerdem glaube ich, dass es eine wesentliche Frage gibt, und es ist lohnend einen konkreten Blick darauf zu werfen. Denn es geht gerade einfach um mehr als reine Arbeitsleistung. Privates und berufliches überlagern sich. Und mehr als sonst ist das für uns alle sicht- und spürbar.

  • Gibt es Kinder zu betreuen? Es kostet nicht viel nachzufragen wie die Kinderbetreuung neben dem Homeoffice organisiert ist. Vielleicht teilen sich die Eltern die Tagesstruktur und es ist relativ einfach bei Meetings darauf Rücksicht zu nehmen, wann die/der Kolleg*in gerade das Arbeitszimmer ungestört für sich hat. Gibt es Alleinerzieher*innen im Team? Hier wird es wichtig sein den Druck rauszunehmen und anzuerkennen wie schwierig es ist diese Herausforderungen zu meistern. Vielleicht wird diese Person jetzt weniger Leistung bringen. Und wenn das temporär der Fall ist, wird ein "mehr an Druck" - wie so oft - nicht das erwünschte, langfristige Ergebnis bringen. Ein Teammitglied, das aber das Gefühl bekommt, auch als Person anerkannt und gesehen zu sein und sein Unternehmen unterstützend hinter sich weiß, kann zu einem/einer loyalen Kämpfer*in für die Zukunft werden. Und das kann ein echter Gewinn aus der Krise sein. In jedem Fall sollte man sich die Zeit nehmen, individuell die Möglichkeiten zu klären und auch Persönlichem Raum geben. Privates und Berufliches sind momentan eng verwoben und das wird einem spätestens dann klar, wenn Papa mitten im Videocall einen Streit zwischen zwei Kleinkindern schlichten muss oder schnell noch einen Teller Jause herrichtet, bevor es in die nächste Arbeit-session geht. Oh! und nicht vergessen, dass die Banane NIEMALS die Gurkenscheiben berühren darf! :)

  • Gibt es Teammitglieder die zur Risikogruppe zählen? Wie geht es diesen Personen damit und muss man in den Rahmenbedingungen darauf besonders Rücksicht nehmen? Kann zB diese Person zu 100% von zu Hause arbeiten, auch wenn für andere im Team eine Anwesenheit im Büro noch ab und an nötig ist. Oder gilt die Sorge einem nahen Angehörigen? Auch da gilt: gibt es drängende Probleme, die kreative Lösungen im Team brauchen oder geht es darum seine Sorgen auch im Arbeitsumfeld aussprechen zu können, in der Ausnahmesituation nicht alleine zu sein.

  • Gibt es Personen, die besonders unter der sozialen Isolation leiden? Welche Angebote kann man zur Verfügung stellen - gibt es die Möglichkeit über ein Online-Angebot Beratung in Anspruch zu nehmen? Braucht die Person Entlastung oder wünscht sie sich ein besonderes Herzensprojekt? Jetzt könnte der richtige Zeitpunkt sein um mehr Verantwortung zu übernehmen und so einen Anker- und Fixpunkt zu setzen, der die Aufmerksamkeit positiv fokussiert.


Es kann ein Schlüsselelement sein, Aufgaben neu zu verteilen. Und zwar mit Blick darauf wer gerade welche Ressourcen und Möglichkeiten zu Verfügung hat. Vielleicht entstehen ganz neue gedachte Arbeitsabläufe, die auch in der Zeit nach der Krise Sinn machen. Und hier geht es nicht darum, dass sich einige in der Situation profilieren können, sondern schlichtweg darum als Team näher zusammen zu rücken und sich gegenseitig zu entlasten. Es kann also lohnend sein, ein Teammeeting darauf zu verwenden Zuständigkeiten neu zu denken und auch darüber nachzudenken die Dringlichkeit anstehender Projekte umzudefinieren. Im besten Fall entsteht eine Dynamik die freien Ideenaustausch möglich macht und ganz neue Energien freisetzt.


 

Je nachdem wie die Teamstruktur aufgebaut ist, werden andere Maßnahmen dazu beitragen ein Wir-Gefühl zu stärken und als Team an der Krise zu wachsen.

Und auch wenn der wirtschaftliche Druck groß ist: Jetzt ein offenes Ohr und echtes Interesse an den Menschen in seinem direkten Arbeitsumfeld zu haben ist das Gebot der Stunde. Ein achtsamer Umgang miteinander als wichtiger Treibstoff um auch in unsicheren Zeiten innovativ zu bleiben.


Vielleicht wird vieles anders sein. Vielleicht muss man seine Erwartungen an das, was möglich ist, und vor allem daran, wie Dinge gemacht werden, adaptieren. Aber in dieser Veränderung liegt ganz viel Kraft die direkt in eine Zukunft nach der Krise investiert werden kann. Erfolgreiche Unternehmen entwickeln sich auch entlang schwieriger Situationen weiter. Jetzt mit einem offenen Ohr bei seinen Mitarbeiter*innen zu sein und individuell auf Bedürfnisse einzugehen ist vielleicht der wichtigste Baustein um in unsicheren Zeiten mit einem starken Team voran zu gehen.


Der Beruf ist ein so großer und wesentlicher Teil unseres Lebens. Es ist es eine Chance zu sehen welche Auswirkung es hat, wenn alle Teile unseres Lebens so eng miteinander verwoben sind. Denn private Turbulenzen haben immer eine direkte Auswirkung auf unsere Leistungsfähigkeit. Und nur weil es oft nicht gewünscht ist das zu zeigen, ist es dennoch ein Fakt. Nicht alle Menschen sind in allen Phasen ihres Lebens gleich belastbar. Nicht immer hat man die gleichen Energiereserven zur Verfügung. Genau wie belastende berufliche Situationen unser Privatleben betreffen, ist es auch immer umgekehrt so, dass das Privatleben Auswirkung auf unser unternehmerischen Handeln hat. Jetzt ist die Zeit wo das nicht mehr im Verborgenen liegt. Berufliches und Privates sind zwei unzertrennliche Seiten unseres Lebens. Das anzuerkennen und als Führungskraft seine Mitarbeiter*innen in ihrer Gesamtheit anzunehmen, kann eine echte und nachhaltige Kulturveränderung in der Firma bedeuten. Und jetzt kann das der Schlüssel sein, dass alle MitarbeiterInnen ihren wesentlichen Beitrag leisten können, um das Unternehmen durch die Krise zu navigieren.


Als Führungskraft braucht das den Mut sich auf Beziehungsebene auf sein Team einzulassen. Es brauch das richtige Bauch- und Fingerspitzengefühl um seine Mitarbeiter*innen dort abzuholen wo sie stehen und die Bereitschaft eine Vision für ein neues, gemeinsames Miteinander zu entwickeln.


So weit meine Gedanken zum Thema Führen in der Krise. Über den Tellerrand der technischen Machbarkeit von Homeoffice hinaus. Ich freu mich auf euren Input dazu! Was sind eure Erfahrungen? Was waren wirksame Tools oder Strategien um sich im Job gehört und gesehen zu fühlen? Seid ihr eher Team „gemeinsames Feierabendbier mit Facetime“ oder eher Dankbar, dass ihr den täglichen Update-Call auch mal Sausen lassen könnt, weil das Privatleben gerade massiv dazwischen funkt?

Red ma drüber.

Eure K.

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