Haltung verändern und Energie freisetzen





Heute möchte ich darüber schreiben, warum es Sinn machen kann, die Haltung zu verändern und den Platz zu wechseln. Das eigene Thema oder seine Glaubenssätze einmal absichtlich von einer neuen Seite aus zu betrachten.



Ich hatte vor kurzem eine abendliches Telefonat mit einer lieben Freundin. Ich saß auf dem Balkon, es war einer der ersten lauen Abende, langsam gingen die Lichter in den Wohnungen am gegenüberliegenden Hügel an und am Himmel zogen kleine Wattewolken zwischen den Sternen vorbei. So fein! Ich war bereit wirklich alles aus einer Haltung tiefer Zufriedenheit heraus und mit positivem Herzen zu betrachten.


Ich tausche mich also mit meiner Freundin am Ohr aus und sie erzählt von inspirierenden Ideen und dass sie gerade dabei ist Neues in ihrem Leben umzusetzen. Da ist ganz viel Energie. Und plötzlich auch ganz viel Zweifel.


„Ich kann doch nicht schon wieder mit etwas Neuem beginnen, vor allem mit etwas was so gar nicht zu meinen anderen Arbeitsfeldern passt. Das ist nichts Ganzes und nichts Halbes. Nie kann ich mich nur einer Sache widmen, warum bin ich nur so Sprunghaft. Ich kann mich nicht festlegen und eine Sache so richtig durchziehen. Aber meine Neue Idee fühlt sich gleichzeitig so gut an. So echt. Ach, womöglich möchte ich mich nur von drängenderen Themen ablenken.“


Und so springt sie zwischen ihren Empfindungen hin und her. Einerseits beseelt und inspiriert, andererseits nicht bereit sich selbst die Erlaubnis zu geben etwas Neues in ihr Leben zu lassen. Irgendwann werfe ich ein, dass ihre Ideen doch nach wunderbar viel Kraft klingen und sie gerade im Neuen ganz viel Energie zu tanken scheint. „Mh, ja oder ich bin einfach wieder einmal zu sprunghaft“ war ihre spontane Reaktion.


Häufig sind wir Meister*innen darin Veränderung zu verhindern und in einer lieb gewonnenen Haltung zu verbleiben. Egal ob der Nacken schon schmerzt oder der Fuß dabei ist einzuschlafen. Wir bleiben in der gewohnten Position, obwohl diese uns schon lange nicht mehr gut tut.


Und hier ist sie: Die Möglichkeit für einen Haltungswechsel

Sich auf einen anderen, imaginären Sessel zu setzen und das eigene Thema von dort aus anzuschauen.

Zu sehen: Wie fühlt es sich an, meine Gedanken als energetisch und kräftig einzuordnen, anstatt in der Selbstabwertung „zu sprunghaft“ zu bleiben? Sich selbst die Frage zu beantworten, welche aller möglichen Haltungen - und zu jedem Thema gibt es viele! - ist die, die mich jetzt weiterbringt. Welche aller möglichen Haltungen fühlt sich gut an? Welche erzeugt angenehme Schwingung und welche hemmt mich? Und dann kann ich mich ganz aktiv entscheiden, welcher Blickwinkel momentan der für mich lohnendste ist. Das ist natürlich keine leichte Übung und es wird nicht gelingen, alte Überzeugungen mit einem Mal entschieden abzulegen. So leicht lassen wir uns selbst nicht austricksen!


Alte Denkmuster sind wie alte Jogginghosen. Gut eingewohnt, bequem und manchmal genau das Richtige. Aber es kann echten Mehrwert bringen, neue Denkarten ins eigene Haltungs-Repertoire aufzunehmen und ab und zu (oder immer öfter) anzuprobieren. Sich ganz aktiv hineinzudenken und zu spüren, was das mit mir macht.

In meinem Beispiel entsteht der Unterschied durch einen freundschaftlichen Impuls - eine Einladung das Bewertungsmuster zu verändern. Sich selbst so zu sehen, wie es die gute Freundin macht. Und dass das bei meinem Gegenüber auch etwas ausgelöst hat, war ein glücklicher Zufall. Es hätte auch Gegenwehr eine mögliche Reaktion sein können. Oder meine Idee - meine Hypothese zur Problemstellung - hätte ins leere führen können, weil es einfach keine Resonanz dafür im Gegenüber gibt. Alle möglichen Reaktionen sind gleichwertig und können weiter betrachtet werden.


Im weiteren Verlauf unseres Gesprächs hatte meine Freundin Lust, sich auf meine Perspektive zu ihrem Thema einzulassen. Sie probierte aus, sich und ihre vielen Ideen als stimulierend und inspiriert zu bewerten und nicht als sprunghaft. Sie erlaubte sich selbst anzunehmen, dass sich das Neue richtig gut anfühlt und eventuell in Zukunft auch Dynamik für das Alte freisetzen könnte. Sie erkannte für sich, dass sie schon lange den inneren Drang verspürte in der neuen Richtung ins Tun zu kommen und, dass sie sich damit einen lang gehegten Traum erfüllen würde. Es kam die Erkenntnis, dass es im Moment keinen Grund gibt, dieses mehr an Arbeitslust nicht zu nutzen. Unsere Persönlichkeiten sind nicht eindimensional - wo steht geschrieben, dass wir uns beruflich in nur einer Richtung verwirklichen dürfen?


Mit ist wichtig zu betonen, dass die Selbstwahrnehmung der Sprunghaftigkeit nicht die schlechtere ist. Es ist nicht notwendig nie wieder dieses Brille aufzusetzen, sonderndes es kann je nach Fragestellung sogar wichtig sein.  

In diesem Moment und zu diesem Thema ist es wirkungsvoller eine andere Haltung einzunehmen.

Würden zu diesem neuen Projekt noch einige weitere dazukommen, könnte es wiederum wertvoll sein sich selbst zu bremsen (halt! Du handelst sprunghaft) um nicht sehenden Auges in die Überforderung zu schlittern. Eine innere Haltung loszulassen, bedeutet nicht komplett die Verbindung zu ihr zu verlieren. Es geht um Diversifikation. All unsere Anteile sind wertvoll und dienen einem bestimmten Zweck. Es kann lediglich der Fall sein, dass in bestimmten Kontexten diese Anteile ihre Wirkung verfehlen, uns bremsen oder über das Ziel hinaus schießen lassen. Und darum ist es lohnend genau hinzuschauen - welches meiner vielen Ichs ist hier gerade aktiv, passt das so oder sollte ich die Aufstellung für das aktuelle Spiel vielleicht noch einmal ändern.


Um Entwicklung zu ermöglichen müssen alte Denkweisen also nicht gestrichen werden. Es geht nicht darum zu jemandem Anderen zu werden, sondern  zusätzliche Möglichkeiten einzuführen. Letztlich soll diese neue Sichtweise verankert, und durch Anwendung gefüttert werden.


Bis die neue Hose passt und genau richtig eingetragen ist.





Hier findest du noch einen Methoden-Impuls zum Thema.


Komm ins Denken über dich und die gut eingeübten Lesarten deiner Eigenschaften. Probiere aus, wie ein gnadenlos positiver Blick auf dich selbst wirkt!


Oft ist es ungewohnt sich ganz neue Sichtweisen anzuziehen und probe zu tragen. Die Wirkung kann aber ganz erstaunlich sein. Also, Augen zu und durch!


Viel Spaß und ich freue mich wenn du deine Erfahrungen mit mir teilst! 


Bis Bald,

K.



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